Dienstag, 23. Juni 2015

Einmal Yellowstone und zurück... Lady Louise, die Dritte

R&G

Durch unseren Vorstoß bis zum Castle Mountain am gestrigen Abend, der gezwungenermaßen durch die geschlossenen Campgrounds im Kootenay Park zustande gekommen ist, sind wir nun nur noch einen Katzensprung von Lake Louise entfernt. Im Nachhinein erweist sich dies als Chance, noch mehr Zeit für eine Wanderung mit Aussicht auf den See von oben zu haben.

Der Wunsch nach einer anderen Perspektive auf den Lake Louise hat eine Vorgeschichte. Auf vergangenen Touren waren wir zweimal an dem See, hatten aber immer nur zeitliche begrenzte Stippvisiten eingeplant. Dies hatte zur Folge, dass wir stets nur die Sicht über den See vom Ufer am Fairmont Chateau Lake Louise Hotel hatten. Die Perspektive, die sich hier eröffnet, ist sicher toll, aber es ist auch einer der am meisten überlaufenen Stellen im Banff Nationalpark. Ein Touristenbus nach dem anderen rollt hier auf den gewaltigen Besucherparkplatz und meist asiatische Touristen drängen sich Schulter an Schulter auf der Uferpromenade im Selfie-Rausch.

Aus diesem Grunde und weil bei den vergangenen beiden Besuchen jeweils das Wetter den See in ein düsteres wolkenverhangenes Szenario versetzte, wollen wir diesmal eine Wanderung machen. Sie soll uns weg von dem touristischen Trubel am Ufer hinauf auf eine Bergflanke führen und neben mehr einsamer Natur auch eine andere, außergewöhnlichere Perspektive auf den See geben. Somit geben wir den Startschuss: Lady Louise, die Dritte!

Natürlich beginnt der Tag zunächst auf dem Castle Mountain Campground. Die Sanitäreinrichtungen sind in einer Art Container untergebracht und enthalten WC und Waschbecken mit warmem Wasser. Was den morgendlichen Ablauf einschließlich Frühstück anbelangt, sind wir mittlerweile recht effektiv und ohne dass wir hetzen, sind wir schnell abfahrbereit. Vom Campground bis zum Parkplatz am Lake Louise sind es etwa 30 Kilometer, bei Parkway-Geschwindigkeit eine halbe Stunde Fahrt. Auf dem Weg dahin läuft uns auf dem Parkway 1a doch tatsächlich ein Schwarzbär über den Weg.
Das ist doch ein verheißungsvoller Auftakt an diesem Morgen.

Auf dem Parkplatz werden wir von Einweisern zum Bereich für Wohnmobile durchgewunken. Noch sind die weitläufigen Parkplätze ziemlich leer, aber ein Fahrzeug nach dem anderen, darunter auch Busse, trudeln ein. Ein Weilchen dauert es noch, bis wir alle Wanderutensilien zusammengestellt und die entsprechende Kleidung nebst Schuhwerk angezogen haben. Es erfolgt noch ein prophylaktischer Besuch der Toiletten und wir stiefeln los.

Am Ufer vor dem Fairmont Chateau Lake Louise verweilen wir dennoch, aber die altbekannte Szenerie von Besuchermassen, die den Blick auf ihre Weise genießen und sich auf Selfies mit ihm verewigen, ist auch so früh am Morgen schon in vollem Gange. Aber im Gegensatz zu unseren vergangenen Visiten ist das Wetter schön. Die Berge im Hintergrund sind diesmal nicht wolkenverhangen und ihre Gipfel strahlen in der Morgensonne umrahmt von blauem Himmel und dem einen oder anderen weißen Schönwetterwölkchen im Hintergrund.

Langsam laufen wir zuerst am Lake-Shore-Train entlang. Eine Übersichtskarte am Ufer informiert über die Wanderwege. Wir entscheiden uns, einen Wanderweg zum Lake Agnes zu gehen und dabei einen Abstecher zum Little Beehive zu machen, der eine weite Sicht über das Bow Valley bieten soll. Über eine andere Wegeführung vom Lake Agnes wollen wir dann wieder absteigen. Das wird also unsere geplante Wandertour sein und wir hoffen dabei auf einige tolle Ausblicke auf den Lake Louise.

Der Aufstieg zum Lake Agnes zweigt vom Lake-Shore-Trail, dem Uferweg schon unweit hinter dem Hotel Ressort ab. Forschen Schrittes wandern wir in den Berg. Allerdings sind wir auch hier nicht wirklich allein. Ein stetiger Strom von Touristen, meist echte Bergwanderer mit entsprechendem Outfit, aber auch der eine oder andere Lackschuhtourist steigt auf dem Weg nach oben. Mit zunehmender Höhe trennt sich zwar die Spreu vom Weizen, aber es ist doch ein recht begangener Wanderweg und das bleibt er bis zum Lake Agnes.

Es dauert ein ganzes Weilchen, bis der Weg einen Blick über den See freigibt. Noch ist er gesäumt von hohen Bäumen, die es nicht erlauben, den See im Ganzen zu überblicken. Aber der Ausblick ist ein Vorgeschmack auf das, was wir weiter oben noch an Fernblicken geboten bekommen. Die meisten, der Wanderer halten hier bei ihrem Aufstieg. Es ist eine gute Gelegenheit, zu verschnaufen und dabei bereits einen schönen Ausblick zu genießen. Doch das meiste an Höhe liegt noch vor uns und so wandern wir weiter. Der Seeblick entschwindet vorerst wieder hinter den Baumwipfeln und unser Weg verlässt zudem die Bergflanke und führt auf ein sattelartiges Zwischenplateau am Berghang.

Nach einigen Wegeminuten gelangen wir an einen kleinen See. Es ist noch nicht der Lake Agnes. Dieser kleine See heißt Mirror Lake. Er ist kreisrund, sehr klar und von hohen Bäumen umstanden. Das lässt ihn etwas verwunschen wirken, zumal sich über den Baumwipfeln hinter dem See die gewaltige Felswand des Big Beehive erhebt. Dieser Felsgipfel erinnert an einen Bienenkorb in XXL. Auch er kann bestiegen werden, was wir aber vorerst nicht geplant haben.

Der Bergsattel ist hinter dem Mirror Lake zu Ende und die Bergflanke steigt wieder an. Somit steigt auch der Wanderweg wieder an und führt nach oben zu einem weiteren Satteltal zwischen Big Beehive und einem Bergrücken, welcher zum Little Beehive ausläuft. Diesen können wir hinter den Bäumen nicht sehen. Aber das Satteltal, von dem ein Sturzbach in den Mirror Lake strömt, erreichen wir nach einem steilen Aufstieg und kommen damit zum Lake Agnes.

Der Lake Agnes ist ein echter Gletschersee, umgeben von mächtigen Bergriegeln und gespeist vom eisigen Schmelzwasser der umliegenden Eisfelder. Er selbst liegt in einem Bergzirkus nackter Felsgipfel, die kaum noch Pflanzenbewuchs zulassen. Umso erstaunlicher ist es, dass am Ufer des Sees eine traditionsreiche Ausflugsgaststätte liegt, das Lake Agnes Tea House.

Bevor der See und das rustikale Teehaus sich unseren Blicken öffnen, geht es über eine steile Treppe parallel zu einem Wasserfall über einen Felsvorsprung. Er liegt wie ein Riegel quer vor dem Lake Agnes und wie über eine Schwelle, verlässt ein Sturzbach den See. So sehr sich die Wanderer auf dem Weg verlieren, so sehr sammeln sie sich an solchen Wegezielen wieder an. Aber der Blick ist es wert. Es ist nicht der Blick hinunter zum Lake Louise, sondern der Blick in den Felsenkessel des Lake Agnes. Bänke erlauben es, auszuruhen und zu verweilen, ohne zwangsläufig im Teehaus einzukehren. Dennoch besuchen viele Wanderer das Lokal und genießen den Ausblick bei einem Tee auf der Terrasse. Hier am Teehaus sind wir 500 Meter über dem Lake Louise. Wir verweilen etwas am Ufer, beobachten einen vorwitzigen Stellers Jay - auf Deutsch Diademhäher genannt - und steigen dann an der rechten Bergflanke weiter hinauf zum Little Beehive.

Den Little Beehive selbst werden wir nicht sehen können, da wir so an der Bergflanke zu ihm aufsteigen, dass wir uns der Felsformation von hinten nähern und letztlich oben auf seiner Spitze stehen. Auf dem Weg dahin ergeben sich endlich die ersehnten Perspektiven auf den Lake Louise. Aber auch den Mirror Lake sehen wir nun von oben und erkennen, dass seine kreisrunde von Wald eingerahmte Wasserfläche einem kleinen Spiegel gleicht - darüber trutzig der Big Beehive.


Am Ende des Trails erreichen wir den Aussichtspunkt auf dem Little Beehive. Er ist 2225 Meter hoch. Hier sieht man nicht nur den Lake Louise, sondern überblickt das ganze Bow Valley. Man sieht sogar das Tal des Kicking Horse River nach Westen abzweigen und mit ihm die Bahnstrecke der Canadian Pacific Railroad. Ergreifender Weise kommt gerade ein superlanger Güterzug vom Kicking Horse Pass angerollt dröhnt als kilometerlanger Lindwurm durchs Tal nach Osten.

Der Weg zum Little Beehive ist ein Stichweg. Wir müssen also zum Lake Agnes zurück. Dort müssen wir über eine alternative Abstiegsroute nachdenken. Da es bergab geht, sind wir relativ schnell wieder an dem Bergsee und entschließen uns außerplanmäßig, auch zum Big Beehive hinaufzusteigen. Dies erscheint uns zweckmäßig, denn vom Aufstieg zum Big Beehive zweigt ein alternativer Abstieg zum Lake Louise ab.

Um auf den Big Beehive zu kommen, gilt es zuerst den Lake Agnes zu umrunden. Dabei kommen wir über Geröllfelder und Schneefelder am hinteren Ende des Hochtals. Schließlich geht es an der linken Talflanke in Serpentinen steil am Hang hinauf. Es ist ein anstrengender Aufstieg, doch er offenbart auch schöne Ausblicke über den Lake Agnes von oben. Schließlich erreichen wir den Bergrücken, der das Hochtal des Lake Agnes vom tief liegenden Tal des Lake Louise trennt. Hier zweigt unser alternativer Abstieg ab. Wir haben jetzt nur noch einige hundert Meter auf dem Bergrücken zu gehen, um auf die äußerste Spitze des Big Beehive zu gelangen.
Auch hier gibt es mehrfach tolle Aussichten auf den Lake Louise, der von hier oben, wie Milch mit Waldmeistersirup wirkt - milchig grün. Die Kanus auf dem See wirkten von hier oben, als seien schwarze Insekten auf der Milch kleben geblieben.

Am Aussichtspunkt des Big Beehive angelangt, stielt ein Kiefernhäher (Clark's Nutcracker) dem Lake Louise die Show. Er flattert und scharwenzelt um die Besucher herum und scheint sich Hoffnung auf kleine Leckereien zu machen. Wir fotografieren ihn ebenso, wie alle anderen und sehen dann zu, wie wir ein möglichst perfektes Selfie machen können. Es zeigt sich ein weiteres Mal: An solchen Plätzen gehören von fünf Minuten je Vier dem Fotografieren und Eine dem Genießen der Aussicht. Ein verwitterter Shelder aus Baumstämmen steht hier auf dem Fels. Ansonsten aber muss man sich über Felsen kletternd um einen Ausblick bemühen. Schließlich machen wir uns auf den Rückweg.

Kurz vor dem Abstieg zum Lake Louise verweilen wir an der Wegegabelung um einen Adler über dem Tal zu sichten, der dort vor kurzem noch kreiste, doch er bleibt verschwunden. Wir machen uns also auf den steilen Abstieg. Es ist, wie jedes Mal auf solch steil abfallenden Wegen, eine Marter für die Kniegelenke. Trotz Walkingstöcker sind wir recht langsam und knieschonend unterwegs und werden mehrfach von jungen Hüpfern überholt.

Nun kommen wir an eine weitere Gabelung, die zuvor nicht so wirklich auf der Karte zu sehen war. Die Vermutung liegt nahe, dass der rechte Weg der längere sein dürfte, da er weiter entfernt vom Parkplatz auf den Seeuferweg treffen sollte. Also nehmen wir den Linken. Auch dieser Weg zieht sich hin. Zuweilen geht er nicht bergab sondern steigt sogar an. Irgendwann kommen wir zu unserer Überraschung wieder am Mirror Lake heraus. Zumindest ist von nun an der Rest des Rückweges vorhersehbar, da wir diesen Abschnitt schon kennen.

Den Knien ist das egal; sie leiden immer mehr. Wir akzeptieren, dass uns weiterhin jüngere Wanderer mit Leichtigkeit überholen. Aber über jene Wanderer, die jetzt erst, zu so vorgerückter Stunde mit dem Aufstieg beginnen, wundern wir uns. Als wir endlich den Lake-Shore-Trail erreichen, gönnen wir und ein paar Minuten auf einer der zahlreichen Bänke und haben zum Abschluss nochmal den klassischen Blick über den See.

Die letzten paar hundert Meter zum Parkplatz laufen wir mit schweren Beinen, schmerzenden Knien und glühenden Fußsohlen. Aber wir fühlen uns sehr zufrieden mit dem geleisteten Tagwerk und die vielen Impressionen waren die beste Belohnung.

Somit liegen nur noch Ruhe und kulinarische Freuden zum Abschluss des Tages vor uns. Nachdem wir uns der Wanderschuhe entledigt haben, fahren wir von Lake Louise zurück ins Bow Valley und dann auf den Parkway 1a. Den Castle Mountain passieren wir und fahren weiter ostwärts bis zum Johnston Canyon. Direkt gegenüber vom Zugang zum Canyon liegt der gleichnamige Campground. Hier checken wir zur Nacht ein. Erfreulicherweise hat dieser Platz auch warme Duschen, die uns nach einer solchen Wanderung sehr willkommen sind.

Der Johnston Canyon steht morgen auf dem Plan. Doch heute wiegt uns das regelmäßige rattern der Canadian Pacific Railway-Züge mit regelmäßigem Heulen der Signalhörner in den Schlaf.

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Montag, 22. Juni 2015

Einmal Yellowstone und zurück... Ist Radium gesund?

R&G

Die Pläne für den heutigen Tag sind klar definiert. Am Ende des Tages aber werden wir aufgrund überraschender Umstände doch wieder - anders als geplant - einige Vorhaben angepasst haben. Aber dazu kommen wir noch.

Es begrüßt uns ein herrlicher sonniger Morgen. Da fällt es noch schwerer, diesen malerischen Ort zu verlassen, aber wir haben einen Plan und wir haben ein Ziel. Und das Ziel lautet für heute: Kootenay Nationalpark. So rollen wir schon bald nach dem Frühstück vom Platz und unsere erste Pflichtübung ist es, an der Ausfahrt des Campgrounds die Dumpstation zu nutzen und Abwasser abzulassen. Auch Frischwasser wird aufgefüllt.

Es geht aber zuerst einmal tiefer in die Berge und weiter vom Highway weg. Wir wollen uns dem Whiteswan Lake anschauen, der diesem Provinzpark den Namen gab. Dazu umrunden wir den Alces Lake zur Hälfte und folgen dann dem Tal. Der Whiteswan Lake erscheint nach wenigen Kilometern. Er ist größer, als der Alces Lake und schroffer von den umliegenden Bergen umschlossen. Er bietet zwei weitere Campgrounds, einen am oberen Ende des Sees und einen am unteren Ende, wo wir zuerst halten.

Es liegt noch eine morgendliche Stille über dem See, als wir einen Bootssteg betreten. Dennoch ist bereits ein Angler unweit auf dem Wasser. Wie wir so den Ausblick genießen, kommt ein weiterer Mann vom Campground zum Anleger hinunter. Er spricht uns auf Deutsch an. Offensichtlich hat er uns mit Blick auf unser Wohnmobil als deutsche Touristen identifiziert, wie er selbst auch einer ist. Also unterhielten wir uns ein wenig über unsere jeweiligen Reisepläne.

Dann fuhren wir noch fast bis zum oberen Ende des Whiteswan Lakes, wo wir dann auch Motorboote auf dem Wasser sahen. Das Bergpanorama des Sees ist wunderschön und das Wasser von türkisfarbenem Schimmer. Nach einem weiteren Stopp kehren wir um und fahren zurück in Richtung Alces Lake. Von Zeit zu Zeit kommen Holzlaster vorbei und ziehen mächtige Staubfahnen hinter sich her.

Auch am Alces Lake halten wir nochmal und können kapitale Forellen im klaren Wasser beobachten. Nun aber rumpeln wir endgültig die Schotterstraße hinunter zum Highway. Wieder zurück auf dem Asphalt könnte man glatt wehmütig werden, denn wahrscheinlich war dies die letzte nennenswerte Strecke auf Schotter.

Nun geht es nordwärts auf dem Kootenay Highway. Wir passieren Canal Flats und überqueren abermals den Kootenay River. Nun verläuft der Highway parallel zum Columbia Lake, welcher ein Teil des Columbia River-Flusssystems ist. Am nördlichen Ende des Sees, unweit von Fairmont Hotsprings halten wir an einer Stelle, die eine Fernsicht über den See von einem Hügel aus verspricht. Wir steigen hinauf und finden unsere Erwartung erfüllt. Ein grandioser Ausblick über den See mit den Rockies im Hintergrund lässt uns einen Augenblick verweilen und auch fotografieren.

Dann fahren wir weiter und passieren ohne Stopp Fairmont Hotsprings. Der Verkehr nimmt zu, da wir den Großraum Invermere passieren. Dann kommt Radium Hotsprings in Sicht.

Der Ort ist uns aus dem vergangenen Jahr bekannt. Damals kamen wir von Nordwest über Golden hierher um dann ostwärts durch den Kootenay Nationalpark zu fahren. Dabei haben wir zum einen ausgiebig im Besucherzentrum (Visitor Center) das WLAN genutzt und danach einige Stunden in den heißen Quellen entspannt. Genau dies steht nun wieder auf unserem Plan. Also parken wir am Besucherzentrum so dicht wie möglich am Gebäude.

Unsere Erfahrung in ähnlichen Situationen der Vergangenheit hat gezeigt, dass man in solchen Fällen noch außerhalb des Gebäudes, ja sogar im Wohnmobil noch ganz passablen WLAN-Empfang hat. Auch diesmal klappt es gut und wir können einige ausstehende Dinge im Internet erledigen, ohne dabei in einem öffentlichen Raum mit wechselndem Besucherverkehr zu sitzen. Neben ein paar E-Mails, die schnell beantwortet sind, besteht natürlich der ehrgeizige Wunsch, auch schon einige Fotos hochzuladen und Verwandten und Bekannten zugänglich zu machen. doch genau das ist ein unheimlicher Zeitfresser. Für das Upload vieler Fotos ist die Verbindung dann doch nicht flink genug. Also brechen wir nach einer Weile ab, ohne alles hochgeladen zu haben, was wir so zeigen wollten. Aber es wird Zeit, da wir in die heißen Quellen wollen, und das wird auch viel Zeit beanspruchen, denn wir wollen es genießen.

Somit fahren wir die uns bereits bekannte Straße in den Kootenay Park. Die letzten Häuser von Radium Hot Springs liegen in einem zunehmend enger werdenden Tal und sind in amerikanischen Varianten von Alpenarchitektur gebaut. Kurz darauf erscheint die Einfahrt zum Nationalpark. Wir können auch jetzt, wie bereits im Waterton-Lakes-Park, von unserem Annual Pass profitieren und müssen diesmal nichts bezahlen.

Die heißen Quellen liegen bereits im Park. Zuvor führt die Straße durch eine bemerkenswerte Felsklamm, wie ein Durchschlupf in ein geheimnisumwittertes unentdecktes Tal, den sogenannten Sinclair Canyon. Doch schon bald endet der Canyon und das Tal weitet sich wieder. Kurz darauf tauchen die Radium Hot Springs auf, die auch dem Ort am Parkeingang seinen Namen gaben.

Diese Quellen sind sehr stark zu einer Bade- und Erholungsanlage ausgebaut. Es gibt zwei großen Becken, ein heißes und ein warmes zum Schwimmen, und einen weitläufigen Gebäudekomplex mit Umkleiden, Duschen, Sanitäreinrichtungen, Café, Wellness-Angeboten und natürlich der Kasse. Aber was hat es mit dem Radium auf sich. Ist das gesund? Vor hundert Jahren glaubte man das, heute nicht mehr. Radium ist ein alkali-metallisches Spurenelement, welches im Erdinneren als radioaktives Isotop vorkommt. Aber im Wasser dieser heißen Quelle ist es praktisch nicht enthalten. Der Name kommt vielmehr vom schwach radioaktiven Edelgas Radon, welches im Quellwasser enthalten ist. Im hiesigen Falle ist es weder gesund noch gefährlich.

Das Wetter ist freundlich und warm und an der Belegung des Parkplatzes kann man schon erkennen, dass heute viele Besucher da sind. Auch an der Kasse ist eine kurze Schlange, aber nach dem obligatorischen Durchlaufen von Kasse, Umkleide und Dusche sind wir schon bald im warmen Wasser und kochen unser Muskelgewebe weich. Dabei suchen wir uns das letzte Eckchen im warmen Becken, das noch Schatten von einer angrenzenden Felswand bekommt. Das halten wir ein Weilchen aus, unterbrochen nur vom Gang zu unseren Trinkflaschen, die wir in unseren Sporttaschen am Beckenrand haben.

Irgendwann wechseln wir in das etwas kühlere Schwimmbecken, wo wir gemächlich umherschwimmen. Auch beim Nichtstun oder Wenig-Tun kann die Zeit vergehen. Nach über zwei Stunden kommen wir langsam zum Ende und schließen unseren Besuch in der Thermalquelle ab. Natürlich gab es dabei auch eine Portion Körperhygiene und eine Rasur.



Nun fahren wir weiter auf dem Kootenay Highway, welcher erst einmal durch ein Quertal von Radium Hotsprings westwärts das weitläufige Tal des Kootenay Rivers erreichen muss. Dazu muss er über einen Pass und vorher am Olive Lake vorbei. Auch den olivgrünen Olive Lake kennen wir vom Vorjahr, wie auch den gesamten vor uns liegenden Streckenabschnitt bis zum Banff Nationalpark.

Als nächstes halten wir am Kootenay Valley Viewpoint, welcher unmittelbar nach Überwinden des Passes den Blick über das Haupttal des Kootenay Parks öffnet. Von hier aus sieht man gut, was den Park ausmacht. Es sind weniger die spektakulären Hotspots der Natur, wie in den Parks von Banff oder Jasper, sondern die majestätische Weite der Bergpanoramen als Ganzes. Zwischen den beiden erhabenen Bergketten im Osten und im Westen liegt ein weitläufiges bewaldetes Tal, welches an den Bergflanken sanft ansteigt und schließlich in schroffe felsige Berge übergeht. In der Talsohle aber fließt als unberührter Wildwasserfluss der Kootenay River. Daneben ist genügend Platz für den Parkway, der sich szenisch durch das Tal windet.

Auch der Verkehr ist hier geringer, als in den berühmteren Parks im Norden. Als wir vom Aussichtspunkt weiter in Richtung Norden rollen, empfinden wir das Gleiten durch den Park auf dem Highway um seiner selbst willen als Genuss. Auf den nächsten Halt freuen wir uns schon. Es ist ein Parkplatz direkt am Fluss. Hier haben wir im letzten Jahr über Nacht gestanden, nicht ganz legal. Aber da die umliegenden Campgrounds bereits geschlossen waren und wir auch nicht zurück nach Radium Hotsprings fahren wollten, riskierten wir diese illegale Übernachtung.

Wir verweilen recht lange an dieser Stelle, denn als nächstes Ziel wäre bereits ein Campground anzusteuern der unweit in Fahrtrichtung liegt. Noch ahnen wir nicht, wie sehr sich die Erlebnisse vom letzten Jahr wiederholen würden. Der erste Hinweis diesbezüglich kommt von einer amerikanischen Touristin, die ebenfalls hier hält. Sie hätte bislang keinen geöffneten Campground gefunden, klagt sie. Da sie von Norden kommt, sage ich ihr, dass sie am Südende des Parks in Radium Hotsprings einen geöffneten Campground finden wird.

Wir aber wollen nach Norden und fahren auf gut Glück weiter. Tatsächlich, der nächste Campground ist geschlossen und zwar so, dass bereits an der Abfahrt vom Highway eine geschlossene Schranke die Zufahrt verwehrt. Wir fahren also immer weiter nach Norden, wohl ahnend, dass wir möglicherweise erst im Banff Nationalpark einen Campground finden werden. Auch ein weiterer Campground ist geschlossen. Es ist, wie im Glacier Nationalpark: Öffnung erst am 1. Juli.

Abseits liegende Parkplätze ziehen wir auch in Betracht, verwerfen sie aber schließlich. Im Gegensatz zum Herbst letzten Jahres sind jetzt die Nächte kurz und die Abende lange hell. Somit würden wir einem eifrigen Parkranger viel eher auffallen, als dies im Herbst der Fall war. Und das Risiko, in der Dämmerung des Parks verwiesen zu werden, wollten wir auch nicht eingehen.

Somit war unser neues Übernachtungsziel bestimmt, der Castle Mountain Campground im Banff Nationalpark, auf dem wir eigentlich erst einen Tag später übernachten wollten. doch bis dahin haben wir noch hundert Kilometer an malerischen Silhouetten der Kootenay Rockies zu durchgleiten. Dabei wollen wir an den Attraktionen, die wir im letzten Jahr schon besucht hatten, nicht mehr halten. Es sind solche Stellen wie der Marble Canyon, der Numa Wasserfall oder die Paint Pots.

Dennoch kommt es zu einem unvorhergesehenen Halt. Es ist eine sehr große Gruppe Mountain Goats - etwa 30 Tiere, die an einem Abhang umher läuft, grast oder Mineralien leckt. Es stehen schon einige Fahrzeuge am Rand und fotografierende Touristen laufen umher. Auch wir halten am Rand und tun Gleiches. Es sind auch Jungtiere dabei, manche noch ganz klein.

Einige Tiere laufen die Böschung hinunter und ziehen Staubfahnen hinter sich her. Andere stehen ganz oben an der Böschung. Irgendwo ist immer Bewegung in so einer großen Gruppe.
Es dauert eine ganze Weile, bis wir genug gekuckt, fotografiert und gefilmt haben. Dann fahren wir weiter zur nördlichen Parkgrenze.

Den Castle Mountain sieht man schon lange, bevor man die Parkgrenze von Banff und somit Alberta erreicht. Er ist der Namensgeber für den Campground, den wir heute erreichen wollen. Doch irgendwann begrüßt und ein Schild im ältesten Nationalpark Canadas und im Staat Alberta. Dies passiert auf der Schussfahrt hinab ins Bow Valley, das Tal der Bow River, welches deutlich tiefer liegt, als der Pass, von dem wir aus Südwest kommen.

Wenige Kilometer vor unserem Ziel passiert uns glatt noch ein Malheur und wir ordnen uns falsch ein. Zu spät merken wir, dass wir auf den Transkanada Highway 1 geraten sind, anstatt dem etwas nördlicher verlaufenden Parkway 1a zu folgen, an dem auch der Campground liegt. Ärgerlich, sehr ärgerlich, zumal der Highway 1 eine autobahnartige Schnellstraße ist, auf der wir nicht einfach wenden können. So sind wir gezwungen, bis zur nächsten Anschlussstelle zu fahren, um die richtige Ausfahrt zu nehmen.

Dieser Umweg ist auch in einer anderen Hinsicht ärgerlich. Wir wollen schließlich mit unserer Tankfüllung aus den USA so weit wie möglich kommen und hatten die Hoffnung gehegt, vor Rückgabe des Campers in Calgary nicht mehr tanken zu müssen. Da sind natürlich solche sinnlosen Umwege nicht zweckdienlich. Wir werden also schauen, ob wir es dennoch ohne Zwischentanken bis Calgary schaffen. Nun aber erreichen wir den Castle Mountain Campground und richten uns auf einem, der wenigen verblieben freien Plätze ein.

Es ist aber ein schöner Platz mitten im Wald und es gibt Feuerholz zur Genüge. Da wollen wir natürlich auch ein romantisches Lagerfeuer entfachen, was wir auch tun.

Alles in allem ist das ein gelungener Ausklang eines erlebnisreichen Tages, trotz unverhoffter Wendungen in Bezug auf unsere Pläne.

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Sonntag, 21. Juni 2015

Einmal Yellowstone und zurück... Duty Free von Montana nach BC

R&G

Heute werden wir den Glacier Nationalpark verlassen, so oder so. Das eine "So" steht für eine Fahrt mit Xanterra auf der Going-to-the-Sun Road und das andere "so" steht für einen direkten Aufbruch nach Norden. Dies wird davon abhängen, ob wir im Besucherzentrum etwas über die Xanterra-Tour erfahren und ob die Angebote passen. Also starten wir nach dem Frühstück vom Campground aus in Richtung Parkausgang.

Dort befindet sich am westlichen Ende des Lake McDonald der Hauptort des Nationalparks. In diesem Ort namens Apgar ist auch das zentrale Besucherzentrum.

Heute haben Christian und Johannes Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch! Uns fehlen die Kommunikationswege, um diese Glückwünsche auch an den Mann zu bringen, aber wir hoffen, ihr habt einen schönen Tag.

Am Besucherzentrum erfahren wir nicht viel Konkretes über Xanterra-Exkursionen. An den Busstationen kann man die Fahrt nicht buchen, sondern vorab über eine telefonische Service-Hotline. Darauf haben wir schon mal keine Lust. Zudem dauert so eine Fahrt wohl mindestens 4 Stunden. Also tritt Plan B in Kraft und wir begeben uns auf die Weiterfahrt nach Norden. Somit verlassen wir den Glacier Nationalpark zuerst in Richtung West - kommen wieder durch Hungry Horse und Columbia Falls - und fahren dann nach Whitefish.

In beiden Orten halten wir. In Columbia Falls besuchen wir einen Supermarkt. An den Angeboten der Supermärkte erkennt man den Wohlstand der Bewohner in den jeweiligen Orten. Auch Columbia Falls gehört der Riege wohlhabender Gemeinden an. Dementsprechend gibt es im Supermarkt Frischetheken mit reichhaltigem Angebot und eine Bäckerei, die unter anderem frische Baguettes  im Angebot hat.

Einen Ort weiter, in Whitefish entschließen wir uns, zu tanken. Es ist sinnvoll, so knapp wie möglich vor der kanadischen Grenze zu tanken, damit wir maximal den Vorteil der niedrigeren Spritpreise in den USA ausnutzen. Aber wir wollen auch nicht riskieren, irgendwann einmal die letzte Gelegenheit verpasst zu haben oder aber den Preisvorteil dadurch zu verlieren, dass in Grenznähe die Preise auch auf US-Seite anziehen. Also scheint uns die Tanke in Whitefish ein guter Kompromiss zu sein. Die Grenze zu Kanada ist nicht ganz 100 Kilometer entfernt und auf dem Weg dahin gibt es außer ein paar Käffern nur noch einen nennenswerten Ort namens Eureka.

Nach dem wir ordentlich mit der Zapfpistole nachgedrückt haben, um den Tank maximal voll zu bekommen, rollen wir unseren letzten Kilometern in Montana entgegen. Zuerst kommen wir durch Whitefish Downtown. Ohne Halt passieren den Ortskern, aber ein Besuch hätte sich durchaus gelohnt. Er erinnert ein wenig an den Heimatort vom Grinch. Ihren Wohlstand und auch die innerstädtische Architektur aus Western- und Zuckerbäckerstil-Elementen verdankt die Stadt dem angrenzenden größten Skigebietes Montanas.

Die Annahme bestätigt sich, dass es keine großartigen Tankgelegenheiten vor der Grenze mehr geben wird. Wir durchfahren keine wahrnehmbaren Orte mehr außer Eureka und dort halten wir sogar kurz. Doch bis auf ein Café hat hier alles zu. Der Ort wirkt verschlafen, aber wir sehen zwei Fernradler durch den Ort strampeln, deren Beflaggung an den Räder zeigt, dass sie aus Deutschland kommen.

Von Eureka bis zum Grenzübergang in Roosville sind es 10 Kilometer. In Sichtweite des Kontrollpunktes kommen wir vorher an einer Wellblechhalle am linken Straßenrand vorbei. "Duty Free" prangt an einer großen Tafel und wir lassen uns von dieser Gelegenheit zollfreien Einkaufens anlocken. Dieser Duty-Free-Laden hat den typischen Aufbau solcher Läden, wie sie überall in der Welt zu finden sind - mit Schwerpunkt Alkohol, Zigaretten und Parfümerie. Letztlich verlassen wir den Store mit einem Kentucky Straight Bourbon Whisky, einem Buffalo Trace.

Bei einem Bourbon kann man nicht viel falsch machen, erst recht nicht mit einem Kentucky Straight Bourbon, dessen Herstellung durch einige Standards und eine mindestens 2-jährige Lagerung in Fässern aus amerikanischer Weißeiche reglementiert ist. Ein Video von Whisky.de mit Wissenswertem über diesen Bourbon und eine Verkostung samt Expertenurteil haben wir uns erst bei dem Verfassen dieses Blog-Beitrages angesehen.

Der lustige Moment bei diesem Einkauf kommt aber jetzt. Den Einkauf bekommen wir nämlich nicht nach dem Bezahlen ausgehändigt. Stattdessen bekommt eine Angestellte des Stores die Tüte und man erklärt uns, dass wir den Einkauf vor dem Kontrollpunkt ausgehändigt bekommen.


Wir erklären uns diese Prozedur damit, dass verhindert werden soll, dass US-Bürger hier zollfrei einkaufen und dann einfach wieder zurückfahren nach Montana. Diese Ladenangestellte fährt also in einem Jeep vor uns her und hält an einem kleinen Parkplatz unmittelbar vor dem Kontrollpunkt. Hier übergibt sie uns die Tüte und bedankt sich nochmals für den Einkauf. Dann schaut sie uns nach, wie wir uns in die kurze Autoschlange am Grenzposten einreihen.


Eigentlich hatten wir dieses Gebaren schon einmal erlebt. 2014 in Calgary auf dem Flughafen wurde ähnlich verfahren. Obwohl wir ja bereits im Abflugbereich waren, wurde unser Einkauf - wir erinnern uns, es war ein kanadischer Whisky Crown Royal - erst beim Boarding übergeben.

Nun aber stehen wir in der Autoschlange und sind guter Hoffnung, dass wir problemlos wieder zurück nach Kanada kommen. Wie wir das bereits kennen, übernimmt der Einreisestaat die Grenzkontrolle. Somit gibt es keinen US-Posten, sondern in Richtung Nord nur den Kanadischen Posten. Als wir dran sind, begrüßt uns der Officer zweisprachig mit "Hello - bon jour", wie es in Kanadas offiziellen Einrichtungen üblich ist. Während er in unseren Pässen blättert, fragt er nach den typischen Gütern, die den Zoll interessieren: Feuerwaffen, Feuerholz, Alkohol, Tabak, frische Lebensmittel, speziell Eier. Unter dem Eindruck des eben erstandenen Whiskys antworten wir: "Haben wir alles nicht, außer etwas Alkohol im Rahmen der zollfreien Limits." Er fragt uns, wieviel denn das genau sei und erhält die wohlvorbereitete Antwort: "1 Liter Whisky, 1 Liter Wein und ein Sixpack Bier".

Damit gibt er sich zufrieden und fragt: Ihre letzte Einreise nach Kanada war im September 2014? Offensichtlich hatte er den Einreisestempel vom Juni 2015 übersehen und wir beeilen uns, ihn umgehend darauf hinzuweisen. Es könnte schließlich ein Problem werden, wenn der Verdacht aufkäme, wir wären länger als 6 Monate im Land gewesen, denn nur ein halbes Jahr ist Visa frei. "Ah Sie sind ja Kanadaprofis", sagt er, gibt uns die Pässe zurück und wünscht uns gute Reise.

Wir rollen nach Kanada hinein und sehen am Rand einen Pickup, der vom kanadischen Zoll gerade auseinander genommen wird. Sowas ist also durchaus auch möglich, sagen wir uns und denken an die paar Eier im Kühlschrank, die noch von unserem Dutzend übrig sind. Die sind nun verbotener Weise zweimal über die Grenze gefahren, wie ein "Linie Aquavit", der durch zweimaliges Schippern über den Äquator geadelt wird.



Landschaftlich ändert sich kaum etwas. Dennoch spürt man Kanada. Zuerst einmal sind die Entfernungsangaben wieder in Kilometern und es ist weniger Verkehr. Übrigens sind wir jetzt in British Columbia und das Kootenay-Tal liegt voraus. Der Highway trägt noch immer die Nummer 93, nennt sich aber Kootenay Highway. Doch bald kommen wir an eine Straßenmündung. Nach Osten geht's quer durch die Rockies nach Alberta. Der Pass, welcher dabei zu überwinden ist, befindet sich bei Crowsnest an der Grenze zu Alberta. So heißt jetzt auch der Highway - Crowsnest Highway (Hwy 3). Wir befahren ihn aber in Richtung Nordwest, hinein ist Kootenay Tal.


Nach einer kurzen Strecke entschließen wir uns zu einem Abstecher in die Botanik, um an einem schönen Plätzchen am Wasser eine Mittagspause zu machen. Die Kikomun Road ist gar nicht so unbefahren, wie es anfangs schien und wir sehen auch kein Wasser, obwohl wir schon viele Kilometer von der Hauptstraße weg sind. Später wird das Kartenstudium zeigen, dass wir einen Steinwurf vor dem Koocanusa Lake aufgegeben haben. Aber im Augenblick ist uns das nicht klar und wir rasten auf einem Schotterplatz am Wegesrand. Hier sehen wir einen Adler (oder Bussard) am Himmel kreisen. Nach einer kurzen Pause wursteln wir uns über die Jeffrey Baynes Lake Road zurück auf den Highway.

Nun fahren wir wieder Nord-westwärts, so wie auch das Kootenay Tal sich erstreckt - zwischen den gewaltigen Bergmassiven der Kootenay Rockies im Osten und den Purcell Mountains im Westen.

Das Fahren kommt mir entspannter vor, als in den Staaten. Dort war, vom dichteren Verkehr abgesehen, das Tempo auch gar nicht so gering, wie es die Limit in Meilen pro Stunde erscheinen ließen. Entspannt rollen wir also durch sanfte Wildheit der Kootenay Region, die den Highway mit spärlichen Weiden und lichten Kiefernwäldern einrahmt und am Horizont auch immer Berge präsentiert - mal näher, mal entfernter.

Außer imposanter Natur sehen wir nur wenige trostlose Orte. Der nächste ist Wardner, wo der Highway den Kootenay River überquert. Dann kommt ein Abzweig nach Cranbrook - dort fahren wir aber nicht hin - und wieder eine Brücke über den Kootenay. Bald danach kommt Fort Steele, welches mit einem historischen Fort lockt. Wir wollen uns das anschauen, aber dann schreckt uns ein riesiger (und voller) Parkplatz vor einem zum Vergnügungspark umgestalteten Wildwest-Fort ab und wir verzichten. Stattdessen rollen wir dem Abzweig zu unserem Tagesziel entgegen. Kurz hinter Skookumchuck - zwei Häusern mit drei Spitzbuben - biegen wir in die Whiteswan-Lake-Forest-Service Road und sind endlich mal wieder auf Schotter.

Aber auf den 25 Kilometern bis zu unserem Campground wird es noch einen kleinen Höhepunkt geben - die Lussier Hot Springs. Diese heiße Quelle ist relativ unbekannt kaum ausgebaut und frei zugänglich. Entlang der Schotterpiste ist lediglich eine Verbreiterung der Schotterfläche zu einem Turnout als Parkplatz angelegt und eine Infotafel aufgestellt worden. Ein Trockenklo gibt es auch und der Abstieg zum Ufer des Lussier River mit Stufen und Geländer führt einige dutzende Meter hinunter zur heißen Quelle, die direkt am Ufer des Wildwasserflusses aus dem Berg tritt.


Einige Autos stehen auf dem Parkplatz und wir gesellen uns hinzu. Nachdem wir flink unsere Sachen gepackt haben, steigen wir die Treppe hinab zum Flussufer. Da die Quelle direkt am Fluss entspringt hat man aus Geröll eine Barriere zum Fluss aufgeschichtet und somit einige kleine Nischen und Pools mit warmem Wasser gebildet. Viel Platz ist darin nicht, aber einige der Besucher machen sich gerade fertig zum Verlassen der Quelle. So finden wir ein bequemes Eckchen in einem der Pools und entspannen im heißen Wasser. Der eiskalte Wildwasserfluss rauscht nur wenige Meter entfernt an uns vorbei. Wer will, kann hier ein eisiges Wechselbad nehmen.

Das heiße Wasser wirkt, wie ein Wannenbad, Schweiß und Staub werden porentief aufgelöst. Ohne Badebekleidung wäre das mit der heimischen Badewanne gleichzusetzen, aber am Abstieg gebot und ein Schild: Spirituosen und Nacktheit verboten. Wir fühlen uns trotzdem ganz gut gebadet und machen uns nun fertig zum Aufstieg. Diesen absolvieren wir ganz bedächtig, um nicht gleich wieder zu schwitzen. Dann geht's auf zum Campground am Alces Lake, die letzten Kilometer über Schotter.

Der Campground am Alces Lake ist ganz nach unserem Geschmack und er ist so gut wie leer. Wir okkupieren einen Platz mit direktem Zugang zum Wasser. Kaum haben wir unseren Zettel zur Selbstregistrierung ausgefüllt, da taucht auch schon ein Platzwart auf und vollendet unsere Anmeldung. Dabei schnackt er uns auch noch Feuerholz an, aber wir haben auf einem so schönen Platz in der Tat Lust auf ein schönes Lagerfeuer.

Das Feuerchen prasselt auch schon bald, nachdem das Holz noch etwas feiner gespalten ist. Und auch das Abendbrot ist deliziös. Wir können nun bis zum Dunkelwerden einfach nur den züngelnden Flammen zuschauen oder zur Abwechslung am Ufer des Sees die zunehmende Abendstimmung des Bergpanoramas genießen.






Mit der sinkenden Sonne fühlen wir uns inspiriert, den Fotoapparat für einige Zeitrafferserien aufzubauen.

Die Zeitraffer zeigen beindruckend, wie die Erde sich mit ihrer Rotation von seinem Zentralgestirn, der Sonne abwendet und immer weiter in den eigenen Schatten taucht - zu betrachten im Video unten.

Das nächste Zeitraffervideo zeigt, wie anschließend der Sternenhimmel gen Westen flieht, während die Erde sich unaufhaltsam ostwärts dreht. Sogar Nordlichter flackern kurzzeitig auf, und das in der kürzesten Nacht des Jahres.

Da diese Serien am Abend des 21. Juni entstanden sind, widmen wir sie den Geburtstagskindern dieses längsten Tages das Jahres 2015, speziell Christian und Johannes.




Von Zeit zu Zeit fährt ein Fahrzeug auf der Schotterstraße um den nächtlichen See. Dort liegt der größere Whiteswan Lake, der dem hiesigen Provinzpark seinen Namen gab. Einen Abstecher dorthin nehmen wir uns für morgen vor und begeben uns zur Nachtruhe.

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Samstag, 20. Juni 2015

Einmal Yellowstone und zurück... Der Bus der niemals kam

R&G

Wie wir gelernt haben, können wir mit unserem Wohnmobil nicht zum Logan Pass fahren wegen einer Höhenbeschränkung.
Wie wir zudem am Vorabend in Erfahrung gebracht haben, gibt es gleich am Eingang zum Campground einen Haltepunkt des Shuttles. Dort gibt es auch eine Infotafel mit den Abfahrtzeiten die wir ebenfalls am Vorabend studierten und uns einen Zeitpunkt zur Abfahrt ausgesucht hatten.

Der Plan sieht also wie folgt aus: Der Tag soll also mit der Shuttlefahrt hinauf zum Logan Pass beginnen. Dieser ist der höchste Punkt der Going-to-the-Sun Road. Vom Haltepunkt am Logan Pass wollen wir eine Wanderung zum Hidden-Lake-View machen. Danach würden wir den verbleibenden Zeitvorrat bewerten und vielleicht noch an einem weiteren Haltepunkt an der Going-to-the-Sun Road aussteigen. Dieser Plan sollte den Tag gut ausfüllen.

Jetzt muss also nur noch das Shuttle kommen, aber wir haben ja noch etwas Zeit. Doch diese Zeit ist bald schon vorbei, nur ist kein Shuttle in Sicht. Der erste Kleinbus des Tages, welcher jetzt bereits auf dem Rückweg hier halten müsste kommt auch nicht. Ist ein Shuttle ausgefallen? Stimmt etwas mit dem Fahrplan nicht? Die Zeit vergeht merklich und es kommen einige Exkursionsbusse des Unternehmens Xanterra vorbeigefahren.

Xanterra ist ein privatwirtschaftliches Tourismusunternehmen, welches unter anderem Betreiberlizenzen für Dienstleistungen in Nationalparks besitzt. Das schließt den Betrieb von Hotels und Campgrounds, aber auch Exkursionsangebote ein. Diese Xanterra-Busse sind nicht kostenlos und die Exkursionen sind eigentlich Halbtagesangebote. Aber da keine anderen Busse kommen, sind wir verunsichert, ob wir nicht doch etwas verwechselt hätten.

Inzwischen sind ein halbes Duzend dieser markanten sogenannten Red Jammer vorbeigekommen Allerdings halten die Xanterra-Busse auch nicht an der Haltestelle. Was also stimmt hier nicht?

Wir sind schon eine geschlagene Stunde mit Rucksack und Wanderstöcken an der Haltestelle und sehen in der Nähe an einem Sanitärgebäude einen Ranger wirtschaften. Wir sprechen ihn an. Parkranger in den USA sind stets sehr zuvorkommend und hilfsbereit. Allerdings sind sie nicht immer umfassend kompetent. Dieser hier studiert zuerst den Fahrplan auf der Infotafel, so wie wir es bereits mehrmals zuvor selbst taten. Aber auch er kommt zu keinem anderen Schluss, als wir. Er entschuldigt sich, entfernt sich etwas und nimmt über sein Sprechfunkgerät Kontakt mit irgendjemandem auf.



Dann erfahren wir von ihm: der reguläre Shuttle-Betrieb beginnt erst am 1. Juli. "Aber am Plan steht nichts davon", sage ich missmutig. Ja, bestätigte er, die Infotafel lässt diesen Hinweis vermissen, bestätigt er und entschuldigt sich dafür nochmals. Uns bleibt somit nichts anderes übrig, als einen neuen Plan zu machen. Wir gehen also zurück zum Campground.

Der Platzwart des Campground, dem wir kurz darauf begegnen, bestätigt uns die Sache mit dem 1.Juli. Als sehr ärgerlich empfinden wir, dass auch die Rangerin gestern am Parkeingang uns groß und breit von den kostenlosen Shuttles erzählt hatte, ohne zu erwähnen, dass dafür die Saison noch nicht begonnen hat. Am Eingang zum Campground steht eine große Tafel mit einer Wanderwegekarte des Parks. Hier prüfen wir unsere Optionen.

Leider erschließen sich von unserem Standort aus nur Wanderwege tief im Tal. Wir wählen einen Weg in Richtung des Lake McDonald, dem Johnson Lake Trail. Er führt im Grunde des Tals in Richtung Westen.

Wir wandern eine Weile, aber der Weg wirkt nicht einladend auf uns. Ohne Fernsicht zieht er sich durch  einen düsteren Tannengrund und wirkt etwas unheimlich. Hier in der Talsohle sind die Bedingungen gut für die Entstehung eines Waldes aus viel-hundertjährigen Riesen. Es uns erinnert hier an die Regenwälder der Küstenrockies oder auf Vancouver Island.


Nach anderthalb Stunden haben wir von der Eintönigkeit des gruseligen Düsterwaldes genug und kehren nach einer kurzen Rast um. Wir werden also schon recht früh am Tag wieder am Wohnmobil sein und haben dann keine weiteren Pläne. Somit werden wir einen faulen Nachmittag mit Steaks vom Grill genießen.

So geschieht es dann auch. In den Klappstühlen wird uns nochmal richtig warm in der Abendsonne. Wir entfachen ein Feuerchen und bereiten ganz in Ruhe unser Barbecue vor. Den lieben Gott lassen wir einen guten Mann sein und relaxen. Wir nutzen die Phase der Entspannung auch dazu, unser banales Lagerleben am Abend mal mit dem Camcorder zu dokumentieren.

Aus dem Wald kommen auch noch Beiträge zum Abendprogramm. Ein Junghirsch und später eine Hirschkuh ziehen äsend hinter unserem Camper im Wald vorbei. Der Camcorder war diesmal glücklicherweise schon einsatzbereit.

Alles in allem bleibt der Glacier Nationalpark für uns eine Enttäuschung, da wir die eigentliche Attraktion - die Gletschergipfel im Hochgebirge  rund um den Logan Pass nicht zu Gesicht bekommen haben. Morgen werden wir die Option einer Busfahrt mit Xanterra prüfen, aber wahrscheinlicher ist es, dass wir den Reservetag weiter aufsparen werden für später, für Kanada, und weiterfahren nach Norden.


Irgendwann gehen Steaks, Rotwein und Beilagen zur Neige und auch die Sonne versinkt hinterm Berg. Damit ist ein weiterer Tag vergangen.

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