Donnerstag, 11. Juni 2015

Einmal Yellowstone und zurück...Little Big Horn - Montana

R&G



Nach dem kühlen wolkenverhangenen Abend am Crystal Lake begann der Morgen heiter. Die Sonne brach durch die Bäume und die letzten Wolkenfetzen verzogen sich. Das Panorama des Crystal Lake war nun nicht mehr düster sondern sonnig und freundlich. In ebensolcher Stimmung brachen wir auf und folgten der Straße, die sich aus dem kleinen Gebirge zurück in die umgebende Ebene windet.

Ehe wir wieder den asphaltierten Highway erreichten, durchfuhren wir abermals die Felder der Amish-mäßig traditionell gekleideten Farmer. Auch leerstehende und dem Verfall anheimfallende Gehöfte sahen wir. Nach Erreichen des Highway fuhren wir weiter in Richtung Süden.

Es gab Jeans, Waffen, Cowboyhüte und Stiefel, Sättel und jede Menge Wildwest-Kram.
Am nächsten Abzweig in Richtung Osten liegt das Städtchen Harlowton. Ein Tank Stopp war ohnehin fällig und die Tankstelle hatte einen Imbiss und einen General Store im Western Stil. Da schauten wir natürlich rein.
Der General Store war dann sogar noch etwas mehr, es war eine Art Cowboy-Ausstatter und Western-Souvenirladen. Das war mächtig interessant. Es gab Jeans, Waffen, Cowboyhüte und Stiefel, Sättel und jede Menge Wildwest-Kram. Das mindeste war es da, sich eine Wrangler im originalen Cowboy-Röhrenschnitt zu kaufen (jeder eine). Als Souvenir gab es dann noch ein Paar Cowboystiefel für den Herrn zum Sonderpreis von 169$. Ein Jagdwaffenprospekt steckten wir auch noch ein.

Weiter ging's auf dem Montana State Highway 3 in Richtung Osten. Unser Ziel war es, etwa zur Mittagszeit am Little Bighorn National Monument zu sein, um dort gleich auch zu Mittag zu essen und natürlich auch das Monument zu besichtigen.
Wir kamen durch mehrere kleine Orte - einer davon hieß Comanche - und kamen schließlich in der Stadt Billings auf den US Highway 90. Durch Billings fließt der Yellowstone River, der hier aber schon ein träge fließender Flachlandfluss ist und durch Pappelauen mäandert. Südlich vom Highway 90 beginnt hier ein riesiges Crow-Reservat.

Obwohl die Crow nicht zu der von Sitting Bull (Tatanka-Yotanka) geführten Lakota-Allianz in der Schlacht am Little Bighorn gehörten, sehen sie sich heute als Bewahrer des Andenkens. Immerhin befinden sich die Gedenkstätte und der Schauplatz der Schlacht am Rande ihres heutigen Reservates.

Das National Monument liegt nahe der Ortschaft Crow Agency und wir wollen es uns anschauen.

Wir erreichen das Little Bighorn National Monument in der Mittagshitze. Es hat eine Zufahrt mit Tor, wie zu einem Nationalpark und es ist Eintritt zu entrichten. Es ist dennoch stark besucht und auf den Parkplätzen sind freie Plätze knapp. Das Areal befindet sich im Bereich des ehemaligen Schlachtfeldes, wo die Allianz aus Lakota, Cheyenne und Arapaho Indianern das US-Kavallerieregiment General Custers vernichtete.

Im Bereich der Parkplätze befinden sich einige Gebäude, ein Infocenter mit Museum und Merchandising-Shop und Sanitäreinrichtungen. Hügelabwärts liegt ein Hain mit Soldatengräbern. Auf der Kuppe jenes Hügels wo das letzte Aufgebot General Custers, der in der US-Kavallerie das Kommando eines Oberstleutnants innehatte, eingekreist und vernichtet wurde, steht ein weißer Obelisk, der des 7. Kavallerieregiments gedenkt.

Erst Ende des vorigen Jahrhunderts kam auch eine Gedenkstätte der gefallenen Indianerkrieger hinzu um der geänderten Sichtweise auf die Ereignisse von 1876 gerecht zu werden.

Nachdem wir an beiden Mahnmalen ein wenig verweilten und durch das Museum geschlendert sind, gibt es direkt auf dem Parkplatz im Wohnmobil das Mittagessen. Die Mittagshitze ist enorm und die Sonne brennt erbarmungslos. Entlang der Wege stehen Schautafeln mit Erklärungen, aber manchmal auch Warntafeln vor Klapperschlangen, sofern man die Wege verlässt. Schließlich geht's weiter auf dem Highway 90 in Richtung Süden, wo wir bald die Grenze zu Wyoming passieren.

Wyoming: Die Straße verlässt die Prärie und windet sich in
den Bighorn National Forest hinauf.
Nach 80 Kilometern biegen wir auf einen Highway in Richtung Südwest und bald darauf erreichen wir den Bighorn National Forest. Dieses Mittelgebirge hat eine Ausdehnung von 150 mal 50 Kilometern und ist somit mit dem Erzgebirge vergleichbar. Allerdings sind seine höchsten Gipfel bis 3000m hoch. Natürlich ist die Fahrt durch die Täler und über die Pässe sehr malerisch, aber dennoch ist es ein gewaltiger Umweg, den wir zu machen gezwungen sind. Doch leider gibt es keine andere Möglichkeit, zum Bighorn Canyon zu gelangen, als das riesige Crow-Reservat zu umfahren.

Es ist zwar erklärbar, aber doch immer wieder erstaunlich, wie inmitten dieser endlosen trockenen Prärielandschaften ein so grünes dichtbewaldetes Gebirge sein kann.
Aber seine Gipfel zwingen die Winde, aufzusteigen und die Abkühlung der Luftmassen führt zu Wolkenbildung und Regen über den Bergen, während die Tiefebenen leer ausgehen. Dieses wird nochmals eindrucksvoll deutlich, als das Gebirge abrupt endet.

Wir blicken vom Gebirgsrand über ein weites, wüstentrockenes Tal. Es dominieren die Farben rot und braun. Leider ist die Fernsicht etwas diesig, wohl durch die staubig-heiße Luft. Dann schrauben wir uns an der Flanke des Gebirges recht steil und schnell in Serpentinen in dieses Tal hinab und finden und in einer Wüste wieder, die in der Mittagshitze glüht.
Die Luft über dem Asphalt des Highways flimmert, aber in der Ferne kann man schon das Wasser des Bighorn River Stausees sehen, der vor dem Anfang des Bighorn Canyons beginnt.

Dort, in der Bighorn Canyon Recreation Area befindet sich unser Tagesziel, der Horseshoe Bend Campground. Das sind immerhin noch 50 Kilometer und die Sonne steht schon tief.

Die Landschaft im Gebiet des Bighorn Canyons ist faszinierend. Die roten Sandsteinfelsen sind von Wind und Regen geschliffen und leuchten in der Abendsonne in vielen Farbschattierungen von Ocker bis Blutrot. Wir checken auf dem Campground ein, der sogar Strom an den meisten Stellplätzen hat und zwacken unseren Reservierungszettel am Clip mit der Stellplatznummer fest. Dann fahren wir noch mal los zum Devil Canyon Overlook.

Der Devil Canyon Overlook ist ein Aussichtspunkt an einer Stelle, wo der Bighorn Canyon besonders schroff wirkt und zudem ein Seitencanyon, der Devil Canyon in den Bighorn Canyon mündet. Wir wollten das Abendlicht nutzen, um ein paar schöne Impressionen zu gewinnen und auch auf Foto zu bannen. Der Ort war faszinierend und mystisch, aber ebenso schwer fotografisch einzufangen. Es war fast unmöglich Perspektiven zu finden, die die gewaltige und schroffe Anmut des Ortes zur Geltung bringen konnte.

Über dem Canyon und teilweise auch unter uns in der Schlucht kreiste ein Adler, der seinen Horst an der gegenüberliegenden Seite des Canyons hatte.


Wir blieben eine ganze Weile hier - bis zur Dämmerung nach Sonnenuntergang - wo außer uns nur noch ein Profifotograf zu sehen war, der ebenfalls versuchte, die Lichtstimmung am Canyon fotografisch einzufangen. Schließlich fuhren wir im Zwielicht zum Campground zurück, vorbei an mystisch aufragenden Felsformationen und richteten und auf unserem Stellplatz zur Nacht ein. Erstmals nutzen wir auch die Dusche im Wohnmobil (ohne Warmwasserbereitung), um nach dem schweißtreibenden Tag mit frischem Gefühl ins Bett zu gehen.

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Mittwoch, 10. Juni 2015

Einmal Yellowstone und zurück...Great Falls of Missouri

R&G


Campground St.Mary bei Sonnenaufgang
Der nächste Morgen begann so sonnig, wie der vorangegangene Tag endete. Der Weg sollte nun in den Süden Montanas weiterführen. Eine weite Fahrt, zumeist durch Prärien, die je nach Lage trockener, oder grüner waren. Dementsprechend gab es mal Felderwirtschaft und mal spärliche Viehzucht.
Unser nächstes wirkliches Highlight sollte das Schlachtfeld am Little Bighorn sein. Dies ist aber beim besten Willen nicht in einer Tagesetappe zu machen, zumindest nicht zu empfehlen. So planten wir also wie folgt:
Zuerst sollte es nach Südost gehen. Zur Mittagszeit planten wir bei Grand Falls am Missouri einen Stopp einzulegen. Hier gab es mehrere Staustufen zu besichtigen. Dann sollte es zum Tagesende in einen National Forrest gehen, wo es einen Campground an einem See gibt, dem Crystal Lake.
Die Rockies begleiten uns auf den ersten Kilometern

Der St. Mary Campground, von dem aus wir starten, gehört bereits zum Glacier Nationalpark und liegt an dessen östlicher Zufahrt. Dementsprechend begleiten uns auf den ersten Kilometern noch spektakuläre Gebirgspanoramen. Diese bleiben mit der Zeit im Westen zurück und weichen einem hügeligen Grasland. Soweit das Auge sieht - nur Prärie und die Rockies im Westen sind nur noch als blauer ferner Gebirgskamm mit schneebedeckten Gipfeln zu sehen.

Wir fahren durch Indianerland, durch das riesige Reservat der Blackfeet-Indianer. Nach einer Stunde Fahrt erreichen wir Browning. Dies ist die "Hauptstadt" des Reservates. Allerdings fahren wir ohne Halt hindurch. Es ist eine typische, nicht besonders attraktiv wirkende Siedlung des Mittelwestens. Es gibt einige Hinweise auf das Stammeskonzil der Schwarzfußindianer, ansonsten nur verstreute Flachbauten und keine wirkliche City.
...und gehen dann endlose Prärie über.

Nach dem Passieren der Stadt geht es landschaftlich genauso weiter, wie bisher, nur scheint das Grasland trockener zu werden. Viele Erdhörnchen treiben sich am Straßenrand herum und laufen willkürlich über die Straße. Einige von ihnen sind auch offensichtlich Opfer des Verkehrs geworden, auch wenn dieser hier äußerst gering ist.
Kurz vor dem Rainbow Damm geht's nicht mehr weiter

Irgendwann geht's auf den Interstate Highway 15 - eine autobahnähnliche vierspurige Straße in kreuzungsfreier Bauart. Dieser Straße folgen wir bis Great Falls.

Great Falls ist eine große Stadt mit viel Verkehr. Es liegt am Missouri und hat seinen Namen von einigen Wasserfällen in der Nähe, die den Oberlauf des Missouri in mehreren Kaskaden prägten. Zum Teil jedoch sind diese Wasserfälle durch Staumauern mehrerer Wasserkraftwerke verändert worden und nun als "Gesamtkunstwerk" aus natürlichen und künstlichen Barrieren im Missouri zu bestaunen. Wir versuchen also, an eine dieser Staustufen heranzufahren, um dort auch unsere Mittagspause abzuhalten.
Auf einer Insel unterhalb des Dammes hat man den vollen Blick.

Jedoch der erste Versuch misslingt. Kurz vor dem "Rainbow Dam" ist die Straße gesperrt und wir unternehmen einen zweiten Versuch, indem wir einen gehörigen Umweg in Kauf nehmen,

Dieser führt uns am Ende zum "Ryan Dam", dem untersten von insgesamt vier Dämmen. Hier hat man einen kleinen Park angelegt, der sich auf einer Insel unterhalb des Dammes befindet. Von hier aus hat man den vollen Blick auf die Staumauer und den darunter liegenden Wasserfall. Auch Picknickbänke gibt es hier. Wir rasten also hier und machen Mittag.

Der Anblick ist eigentümlich.
Die Wassermassen in Langzeitbelichtung.
Ein Wasserfall in dem bereits recht breiten Missouri, über dem noch eine Staumauer thront, auf jeden Fall ein interessantes Fotomotiv. Den Anblick und das Schauspiel der Wassermassen genossen wir noch ein Weilchen. Allerdings begannen uns recht bald die Mücken zu plagen. Gleichzeitig wurde die Mittagshitze drückend, sodass wir unser Mittagessen im Wohnmobil zu uns nahmen.

Blick zur Turbinenhalle

Wir verabschiedeten uns vom Ryan-Damm und fuhren nach Great Falls zurück. Auf einer der Stadtbrücken überquerten wir den Missouri und fuhren noch eine ganze Weile am Südost-Ufer des Flusses entlang. Bald ließen wir die Stadt hinter uns und folgten dem US-Highway 89.

Eine ganze Weile später wechselten wir auf den Highway 87 in Richtung Osten, nach Lewistown. Dort in der Nähe würden wir den Abzweig zum Campground finden. Die Entfernungsanzeigen wirkten jedes Mal wenig beeindruckend, aber sobald man sich vergegenwärtigte, dass es Meilen sind, waren die Strecken auf einmal ganz andere. Eine Anzeige mit der Zahl 90 ist in Kilometern dann gleich fast 150.
weites Grasland im Fergus County 

Das Tagesziel befindet sich im Fergus County, wo es auch eine Amish Gemeinde gibt. Ob es nun Amish waren, oder eine andere traditionell lebende Gemeinde, wissen wir nicht mit Gewissheit zu sagen, aber nachdem wir den Highway verlassen haben, sehen wir auf Feldern und Gehöften Leute in historisch anmutender Kleidung, großen Hüten, beziehungsweise Frauen mit Hauben und weiten Kleidern. Dies erinnerte an Amish, allerdings nutzten diese Bauern auch motorisierte Technik, wie Traktoren.

Wir fuhren über Schotterwege durch weitläufige Felder, bis wir in eine kleine Gebirgsformation hineinkamen, die als National Forrest ausgewiesen war. Je bergiger es wurde, umso bewaldeter wurde es auch - ein isolierter Wald umgeben von hunderten Meilen Prärie. Hier mittendrin lag der Crystal Lake mit einem Campground.

Dieser Campground war fast leer und man konnte erkennen, dass es unmittelbar vor unserer Ankunft ordentlich geregnet haben musste. Es war noch immer kühl und wolkenverhangen und Bäume und Gräser waren nass. Dennoch gönnten wir uns einen kleinen Waldspaziergang am See entlang. Dieser hatte scheinbar entlang des Ufers einige Unterwasser-Quellen, die unterhalb der Wasserlinie mit Luftblasen und nach oben sprudelndem Wasser zu erkennen waren. Da wir erstmals einen etwas kühleren Abend hatten, gab es diesmal auch ein Lagerfeuer. Somit ließen wir den Abend ausklingen.

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Dienstag, 9. Juni 2015

Einmal Yellowstone und zurück...Waterton Lakes - Der Bär ist los

Ein beeindruckender Halbmond stand bei Sonnenaufgang
über dem Gipfel südlich vom Campground
R&G


Muledeer Hirsche auf dem morgent-
lichen Crandell Mountain Campground
Der Morgen stellte sich mit einem wolkenlosen Himmel ein und noch vor dem Frühstück ließ sich wieder eine Gruppe Muledeer-Rehe blicken. Die gerade aufgehende Sonne erzeugte eine zauberhafte Lichtstimmung.
Der Tag sollte im Wesentlichen dem Waterton Nationalpark gewidmet sein und erst am Nachmittag sollte die Reise weiter nach Süden führen und über die Grenze zur USA gehen.

Tal des Blackiston Creek
Somit starteten wir in den Park, das heißt, wir befanden uns schon in ihm, aber in einem entlegenen Tal auf dem Crandell Mountain Campground. Wir mussten also erst mal auf dem Red-Rock-Parkway zurück fast bis zum Eingang des Parks, was wir ohne Eile und mit einigen Stopps taten.
Erdhörnchen auf den Bergwiesen
Es begegneten uns immer wieder Erdhörnchen - kleinere Verwandte der Murmeltiere, die wie Erdmännchen aufrecht und reglos auf den Bergwiesen standen. Das Tal führte entlang des Blackiston Creek, an dem auch der Campground lag.


Bereits bevor man wieder auf dem zentralen Waterton Parkway war, konnte man an einer Stelle mit Fernblick das Prince-of-Wales Hotel in Waterton Village sehen, ein ähnlich imposantes Bauwerk, wie das Fairmont Banff Spring Hotel. Kurz darauf war man am Lake Upper Waterton Lake, dessen südlicher Zipfel schon in die USA hineinragt.
Im Waterton Village bogen wir nach rechts auf den Parkway zum Cameron Lake ab. Die Straße schraubte sich erst steil an der Bergflanke nach oben und führte dann in ein Canyon-artiges Tal. Wir stoppten immer mal wieder und bald weitete sich die Talsohle wieder.

Schließlich kam der Moment des Tages:
Ein Grizzly am Straßenrand!
Wie so oft in den Nationalparks, ließ sich der Bär durch nichts stören, schon gar nicht durch haltende Autos. Aber glücklicherweise waren wir das erste Fahrzeug überhaupt, das diesem Bären bemerkt hat. Ein wenig später hielt noch ein Wagen aus der Gegenrichtung, aber wir hatten einen Top-Logenplatz. Zudem bewegte sich der Bär in unserer Fahrtrichtung, so dass wir ihm ganz langsam rollend folgen konnten.

...es waren die saftige Gräser, wie Klee
oder Löwenzahn, die ihn interessierten, sonst nichts.
Er weidete am Straßenrand - es waren die saftige Gräser, wie Klee oder Löwenzahn, die ihn interessierten, sonst nichts. Schmatzend und dahintrottend bewegte er sich im Graben an der Straße entlang.

Die Ranger, zwei junge Frauen
aktivierten ihre Flashlights.
Nach einer Weile kam ein Ranger-Fahrzeug und auch weitere Parkbesucher in Autos. Die Ranger, zwei junge Frauen aktivierten ihre Flashlights. Dann belehrten sie im Vorbeirollen alle Besucher, in ihren Wagen zu bleiben, den Abstand zu wahren und nicht zu lange den Verkehr zu behindern. Für unseren Teil guckten wir uns satt, filmten und fotografierten und fuhren schließlich weiter zum Cameron Lake.

Das war nicht mehr weit, aber immerhin doch noch zwei, drei Kilometer. Der Grizzly sollte uns aber noch weiter beschäftigen.

Der Cameron Lake hatte etwas gemeinsam mit dem Lake Louise in Banff. Auch er liegt am Ende eines Tales und wird im Hintergrund von einem schneebedeckten Bergriegel gesäumt. Dieser liegt ebenfalls schon in den USA, in Montana. Ähnlich wie am Lake Louise gibt es hier auch einen Lake-Shore-Trail, aber kein Riesenhotel am Ufer. Es ist entsprechend auch nicht überlaufen und wir spazieren ein Stück den Uferweg entlang.

nach einiger Zeit (3-5 Minuten) sahen wir auch den Bären wieder,
wie er vor dem Shelter an der Terrasse entlangstreunte
Zurück am Info-Shelter am Parkplatz vernehmen wir Trubel. Die Rangerinnen sind wieder da und offensichtlich auch der Bär. Über Lautsprecher rufen die Rangerinnen die Touristen, welche aus Richtung des Sees kommen auf, in den Shelter zu gehen und die Tür geschlossen zu halten - der Bär "sei los". Wir folgten der Aufforderung und nach einiger Zeit (3-5 Minuten) sahen wir auch den Bären wieder, wie er vor dem Shelter an der Terrasse entlangstreunte, sie zu erklimmen versuchte und schließlich noch an den Müllcontainern herumschnüffelte, diese aber nicht öffnen konnte. Schließlich trollte er sich in Richtung Wald - vorerst.

Auch wir verließen schließlich den Shelter in Richtung Parkplatz und stiegen wieder ins Wohnmobil. Doch da hörten wir wieder draußen Rufe und am Rande des Parkplatzes erschien wieder der Bär. Diesmal lief er nochmal unmittelbar an unserem Fahrzeug vorbei und die Rangerinnen versuchten wieder von ihrem Fahrzeug aus per Lautsprecher einzelne Touristen so zu dirigieren, um den Abstand zum Bären zu wahren.
Für diesen schienen aber die Menschen Wesen aus einer anderen Dimension zu sein. Mit seiner Nahrungssuche hatten sie nichts zu tun, weder als Futter, noch als Konkurrent. Sie sind scheinbar für ihn nur wundersame Geschöpfe, die in ihren stinkenden und lärmenden Gefährten zwar scheinbar wegen ihm anhalten, aber dann nichts zweckbestimmtes tuen und schließlich weiterfahren.

 Trotzdem machte ich mir sorgenvolle Gedanken darüber, wie sein undistanziertes Verhalten wohl von der Parkverwaltung bewertet wird. Schließlich kam schon bald - wohl über Funk herbeigerufen - ein zweites Rangerfahrzeug, diesmal mit zwei gestandenen Kerlen darin. Im schlimmsten Fall kann die Bewertung als Problembär ja zum Todesurteil führen. Aber wir fuhren zurück und werden es nicht erfahren.
 
Ohne größere Stopps ging es nun in Richtung Parkeingang zurück und bevor wir den Park verließen, hielten wir unser Mittagpause am Ufer des Waterton River ab. Danach verließen wir den Park und fuhren in Richtung Süden - Richtung US-Grenze.
Hier hatten wir nochmal einige unglaubliche Aussichten - weitläufige Panoramen - auf die gesamte Bergkette die den Waterton-Park säumt. Diese genossen und fotografierten wir natürlich noch und dann fuhren wir schnurstracks in Richtung des Grenzübergangs.

Der Chief Mountain überragt den Horizont hinter
dem Grenzübergang
Dieser Übergang heißt Chief-Mountain-Border-Control und ist nach einem monolithischen Felsengipfel, dem Chief Mountain benannt, welcher den Horizont hinter dem Grenzübergang überragt.

Der Grenz-übergang ist leer - kein Fahrzeug, außer unserem ist zu sehen. Die Grenzer fragen uns nach der ESTA-Anmeldung, welche wir aber nicht haben und somit jetzt ausfüllen müssen. Im Grunde kennen wir das von Alaska, füllen das Formular aus und bekommen Fingerabdrücke und Iris gescannt. Dann zahlen wir 6$ pro Nase und können passieren.

Chief Mountain bedeutet Häuptlingsberg und das Gebiet, das
wir durchfahren, ist ein Blackfeet-Reservat.
Chief Mountain bedeutet Häuptlingsberg und das Gebiet, welches wir im Bundesstaat Montana nun durchfahren, ist ein sehr großes Reservat der Schwarzfußindianer, der Blackfeet. An einer exponierten Stelle halten wir mit Blick auf den Chief Mountain. Dann geht's viele Kilometer weiter durchs Blackfeet-Reservat.
Es ist schon ausreichend spät und an der Zeit, die Übernachtungsstelle zu finden. Es soll des Chewing Blackbones Campground am Lower St. Mary Lake werden. Zudem ist es langsam dringlich, Kraftstoff nachzufüllen, billigen US-Sprit.
Doch der Chewing Blackbones Campground hat geschlossen, was uns zur Umplanung zwingt.

Wir fahren weiter zum Dorf St. Mary und tanken dort. Dann ist es nicht mehr weit bis zum Osteingang des Glacier Nationalparks, wo wir uns zur Nacht auf dem St. Mary Campground begeben, immerhin mit WC und kaltem Wasser. Damit geht Tag zwei zu Ende in Montana, USA.

am Ende von Tag zwei in Montana, USA.






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Montag, 8. Juni 2015

Einmal Yellowstone und zurück...Das Abenteuer beginnt

R&G

Der Shuttle von Fraserway hatte mehr als 30min Verspätung und bei Fraserway selbst war sehr viel Volk am Ein- und Auschecken. Es dauerte lange, wirkte chaotisch und unübersichtlich.

Bereits im letzten Jahr hatte die Fraserway-Niederlassung in Airdrie bei Calgary einen schlechteren Eindruck auf uns gemacht als in Vancouver oder Whitehorse, aber die Fluganbindung nach Calgary und die Ausgangslage für eine Fahrt nach Yellowstone gaben den Ausschlag.


Aber schließlich, gegen 12:45 waren wir startklar und fuhren Richtung Westen los.

Der Plan war, in Cochrane - die Rockies in Sichtweite - im altbekannten Safeway-Supermarkt einzukaufen und unseren Reiseproviant aufzufüllen. Auch das braucht Zeit und der Hunger ließ uns noch was zu Mittag holen und essen. Somit starteten wir in Cochrane gegen 14:30 Uhr in Richtung Süden.

Der größte Teil der Strecke waren die lichten Nadelwälder der östlichen Gebirgsflanke der Rockies und die Prärie als weitläufiges Grasland mit gelegentlichen Baumhainen.

Unser Ziel war es, nördlich des Waterton Nationalparkes die Nacht auf dem Campground eines Provinzparkes zu stehen. Aber beim Versuch, einzuchecken stellte sich heraus, dass nur Cash als Zahlungsform akzeptiert wurde. Man riet uns, den nächsten ATM in einem 20km entfernten Ort um Bargeld zu bemühen.

20km hin und zurück - da konnten wir gleich noch die 60km bis zum Waterton Nationalpark fahren und das taten wir dann auch.

Kaum im Waterton-Park angekommen, war sofort die Umgebung wieder wie ausgetauscht. Statt weiter, eintöniger Prärie gab es malerische, sattgrüne Nadelwälder und majestätische Berge.
Im übrigen hatten wir noch einen gültigen Annual-Pass für die Kanadischen Nationalparks vom September 2014 und hatten somit noch freien Zugang zu den Parks. Wir suchten uns einen Stellplatz auf dem Crandell Mountain Campground, wo wir schon am Abend Maultierhirsche beobachten konnten. Es ist an diesem Tag recht spät geworden und die Fahrt war lang, aber alles in allem waren wir mit dem Tag und vor allem seinem Ausklang recht zufrieden.

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Sonntag, 7. Juni 2015

Einmal Yellowstone und zurück...Calgary begrüßt uns mit Nordlichtern

R&G

Und da wären wir wieder unterwegs...

Der Plan lautet diesmal:
  • Von Calgary nach Süden über die Grenze in die USA.
  • Im östlich der Rockies entlang durch die Prärie Montanas.
  • Ins Reservat der Crow und zum Little Big Horn National Monument
  • Bighorn Canyon
  • schließlich in den Yellowstone NP und westlicher wieder zurück gen Norden
  • durch den Glacier NP (US) und Waterton NP
  • Das Columbia Tal und die Kootenay Rockies
  • Kootenay NP und dann nochmal Banff
  • dann schließen wir den Kreis wieder in Calgary.
...schade, dass wir dafür nur drei Wochen haben, machen wir das Beste daraus.

So, nach diesem Vorgeplänkel gibt es jedoch tatsächlich auch schon was zu berichten:

Was den Hinflug anbelangt - nun ja, ist nicht übermäßig spannend, aber gehört zum Auftakt der Reise dazu. KLM war diesmal Fluglinie der Wahl und im Endeffekt recht gut. Durch meine Flying Blue Privilegien waren Lounge-Aufenthalt und Plätze mit freiem Mittelplatz in der Economy Class hilfreich.

Die Abfertigung in Calgary hingegen war anstrengend. Bei der Einreise standen wir 50min vor der Passkontrolle, nicht zu Letzt, weil einige große Flieger gleichzeitig gelandet waren.

Auch der Hotelshuttle ließ noch 25 min auf sich warten, klappte aber zuverlässig. Angenehm beim Check-In war, dass wir gleich Informationen zum Transfer zu Fraserway RV für den nächsten Morgen erhielten. Im Letzen Jahr im Sandman-Hotel war es angeblich nicht möglich, dies zu klären, weil Sonntag war (Wie diesmal ja auch, aber da ging's).

Mit dem Hotel kann man voll und ganz zufrieden sein. Man sollte wissen, Frühstück ist üblicherweise nicht automatisch enthalten.
Eigentlich wollte ich diesmal den üblicherweise etwas rustikalen Standard amerikanischer Bis-3-Sterne-Hotels dokumentieren mit Ihren Wirbelwassertoiletten, klobigen Armaturen von Crane oder American Standard und den fest montierten Overhead-Duschbrausen, aber ich wurde diesmal enttäuscht - also positiv überrascht.
Die Toilette ist zwar noch nach dem amerikanischen Siphonprinzip gemacht, aber wesentlich wassersparender; smarte Armaturen, smarte Dusche - das Bad wirkte sehr europäisch und daher leider nicht spektakulär.

Spektakulär war aber etwas anderes...

Was macht man, wenn man wegen der Zeitverschiebung nicht schlafen kann? Man surft im Internet und man schaut zum Fenster raus. nun ist der Blick aus dem Fenster des Acclaim Hotels am Flughafen nicht unbedingt malerisch, aber unser Fenster zeigt nach Norden. Auch wenn wir um diese Jahreszeit alles andere als Nordlichter zu sehen erwarteten, zumal wir in lichtverschmutztem urbanem Umfeld sind - es gab sie tatsächlich!
Durchaus mit bloßem Auge zu erkennen, waberten sie über den hell erleuchteten Gewerbebauten in unserer Blickrichtung vor sich hin. Und das Internet bestätigt: Stärke 6!


So, in Deutschland ist es schon 10:34 und hier ist's tiefe Nacht - 2:34.
Gute Nacht!

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